Zuletzt geändert: 2016-10-21 12:58:23

Ileuskrankheit

Klinische Einteilung, Pathogenese

Die Ileuskrankheit ist durch eine Unterbrechung der Darmpassage charakterisiert. Bei Vorliegen einer organischen Engstelle oder Vernarbung spricht man vom mechanischen Ileus. Davon abzugrenzen ist der paralytische Ileus, der vaskuläre Ileus und der postoperative Ileus. Ein Subileus liegt bei inkomplettem Passagestop, also bei chronischer Behinderung der Darmpassage z.B. durch ein mechanisches Hindernis vor.

Typ Typisches Symptom Ursache
Mechanischer Ileus Kolikartiger Schmerz,
Überwindungsperistaltik
Hernie, Adhäsionen,
Tumorstenosen
Paralytischer Ileus Fehlen von Darmgeräuschen; Schmerzmitteleinnahme; Darmlähmung
Dickdarmileus nach
Sektio (Distended Kolon Syndrom)
Erweitertes Kolon Darmlähmung
Vaskulärer Ileus schlagartiger, plötzlicher
Beginn der Symptome;
fortgeschrittenes Patientenalter;
Embolie; Thrombose; Mesenterialvenenthrombose;
Postoperativer Ileus Vorangegangene abdominal-
chirurgische Eingriffe
Darmabknickung,
Darmtorsion; Abgrenzen
von Darmatonie
Subileus Chronische Abdominalbeschwerden;
verzögerte Gastrografinpassage;
Nachweis von Dünndarmstenosen; Tumorerkrankung
Rezidivtumor; Peritonealkarzinose; Darmadhäsionen;
Hoher Dünndarmileus Fehlen von Spiegeln auf der
Abdomenübersicht; Erbrechen;
Tumor, Darmadhäsion
Dünndarmileus Nachweis von Dünndarmspiegeln
auf der Abdomenleeraufnahme
Tumor, Darmadhäsion
Kompensierter Dickdarmileus Nachweis von Spiegeln
im Kolon, keine Spiegel
im Dünndarm
(Bauhin'sche Klappe intakt)
Tumor, Darmadhäsion
Dekompensierter Dickdarmileus Nachweis von Spiegeln
im Kolon und im Dünndarm
(Bauhin'sche Klappe insuffizient)
Tumor, Darmadhäsion
Intestinale Pseudoobstruktion des Kolons (Ogilviesyndrom) Darmverschluss-Symptome  ohne mechanische Ursache Unklare Ätiologie und Pathogenese. Evt. Funktionsstörung des autonomen Nervensystems mit gesteigerter Sympathikusaktivität.
Manchmal Folge eines Traumas, nach Eingriffen im Abdomen oder Becken, bei verschiedenen internistischen Grundkrankheiten wie chronischer Bronchitis
bzw. ohne erkennbare Ursache. Gelegentlich bei paraneoplastischem Syndrom.

Epidemiologie

Inzidenz, Prävalenz: keine Angaben.

Spontanverlauf:

Ohne Therapie führt ein fortbestehender Ileus zu hochgradiger Darmdistension, Darmwandschädigung und Darmgangrän, Durchwanderungsperitonitis und letztlich zum Tod des Patienten.

Prästationäre Masnahmen (Hausarzt):

Sofortige Klinikeinweisung.

Symptome:

Krampfartige Abdominalschmerzen, aufgetriebenes Abdomen, Abwehrspannung. Erbrechen, schweres Krankheitsgefühl. Kein Stuhlgang.

Obligate Diagnostik


Therapie [Chirurgie]

Die chirurgische Beseitigung der Ileusursache ist die Therapie der Wahl. Eine Operation zur Beseitigung einer Ileusursache ist eine Notfalloperation, um irreversible Darmschäden zu vermeiden.

Ausgleichen eines Flüssigkeits- und Elektrolytdefizites

Aufklärung

Darmverletzung, Blutung, Nachblutung, Fremdblutübertragung, Hepatitis, AIDS, Dick- oder Dünndarmresektion, Anlage eines künstlichen Darmausganges

Das Operationsverfahren richtet sich nach der Ileusursache. In der Regel erfolgt eine mediane Laparotomie mit Umschneidung des Nabels. Nach Beseitigung der Ileusursache (Narbenstrang, Bride, Resektion stenosierter Darmabschnitte) wird der Dünndarm über die Enterotomie abgesaugt bzw. nach oral ausgestrichen und dekomprimiert. Bruchlücken werden verschlossen.

Bei Vorliegen eines Dickdarmileus aufgrund eines stenosierenden Kolontumors wird bei jüngeren Patienten (< 60 Jahre) ohne Begleitkrankheiten eine Resektion des Tumors mit intraoperativer Kolonspülung und primärer Anastomosierung angestrebt. Bei älteren Patienten (>= 60 Jahre) oder Vorliegen von Begleitkrankheiten erfolgt am Aufnahmetag eine Dekompression des Kolons mit Zökalfistel oder doppelläufigem Transversumanus. Nach Stabilisierung des Patienten kann die Resektion später unter Elektivbedingungen erfolgen. Als Alternative zu diesem Vorgehen kann der Tumor im Sinne einer Diskontinuitätsresektion (Resektion des Tumors beim Primäreingriff, getrenntes Ausleiten der oralen und aboralen Darmschenkel, spätere Rekonstruktion) erfolgen.

Bei vorausgegangenen Laparotomien kann vor einer Reoperation, die aufwendig und patientenbelastend sein kann, der Versuch einer Gastrografinpassage gemacht werden. Hierzu wird radiologisch eine Duodenalsonde platziert und Gastrografin instilliert. Der Verlauf einer Passage muß engmaschig durch den Chirurgen kontrolliert werden. Bei Passagestop muss operiert werden.


Therapie [Internistisch]

nur bei paralytischem Ileus (z.B. bei vorausgegangener Morphinmedikation) oder bei reaktivem Ileus (z.B. bei Z.n. Sektio: Distended Kolon Syndrom'). Zur Verfügung stehen prokinetische Medikamente zur Darmtonisierung (z.B. Ubretid 2-3 1/2 A s.c.), die Durchführung einer Gastrografinpassage oder das koloskopische Absaugen von Dickdarminhalt (z.B. bei distended colon).

 

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