Zuletzt geändert: 2016-04-15 14:56:20

Hernien

Klinische Einteilung, Pathogenese

Eine Hernie ist eine Ausstülpung des parietalen Peritoneums durch eine Bruchlücke, die angeboren oder erworben sein kann. Hernien können reponibel (spontane oder manuelle Reposition des Inhaltes des Bruchsackes) , irreponibel oder inkarzeriert (Einklemmung von Bruchsackinhalt im Bruchsack, Strangulation, Durchblutungsstörung) sein. Die klinisch wichtigste Hernienform ist die Leistenhernie, bei der eine indirekte (meist angeboren, entspringt lateral der epigastrische Gefäße) von einer direkten (meist erworben, entspringt medial der epigastrischen Gefäße) unterschieden wird. Bei der Skrotalhernie findet sich Bruchsackinhalt einer Leistenhernie im Skrotum. Schenkelhernien entspringen unterhalb des Leistenbandes im Areal des Durchtritts der A. und V. femoralis. Die Spieghelsche Hernie entsteht an der vorderen Bauchwand im Bereich der Linea semilunaris, und seltene Hernienformen betreffen die hintere Bauchwand oder die Beckenregion (Hernia ischiadica, Hernia obturatoria, Hernia perinealis, Hernia lumbalis). Narbenhernien entstehen aufgrund von vorausgegangenen Operationen meist durch Insuffizienz des Faszienverschlusses. Eine Treitz-Hernie tritt als innere Hernie an der Flexura duodenojejunalis auf. Die Hernia foraminis Winslowii entsteht unterhalb des Lig. hepatoduodenale im gleichnamigen Foramen W:

HernienartBruchpforteHäufigkeit, Pathogenese
Laterale (indirekte)
Leistenhernie
innere Bruchpforte: lateral
der epigastrischen Gefäße
+++, angeboren
(offener Proc. vaginalis)
mediale (direkte)
Leistenhernie
innere Bruchpforte: medial
der epigastrischen Gefäße
+++, erworben
(Verhebetrauma, Bauchtauma)
SchenkelhernieLücke von A. + V. femoralis++, bei Frauen häufiger
NabelhernieBauchwandchwäche im
Bereich des Nabels
+, angeboren
Treitz HernieFlexura duodenojejunalisselten
Spieghel Hernie
(um 1640)
Hernie im Bereich der Linea
semilunaris, vordere
Bauchwand
selten
NarbenhernieJe nach Lage der
Laparotomiewunde
häufig
Littre HernieMeckel Divertikel
im Bruchsack
sehr selten

Je nach Ausmaß der Hernie unterscheidet man weiterhin:

ArtEigenschaften
Komplette HernieBruchsack besteht aus einer Ausstülpung des Peritoneums und enthält Netz oder Dünndarm
Gleithernieretroperitoneale Organe (z.B. Zökum) gleiten in die Bruchlücke, Bruchsack wird nicht ausschließlich von Peritoneum gebildet.
Inkomplette Hernie
(Richter Hernie)
Partielle Darmwandhernie (keine komplette Darmschlinge)

 

Epidemiologie

Leistenhernien sind eine der häufigsten chirurgischen OP-Indikationen.

Inzidenz 200 / 100 000 / Jahr

Altersgipfel

Zwei Altergipfel: im Kindesalter und zwischen 40-50 Jahren Geschlecht kindliche Leistenhernie: fast ausschließlich bei Jungen. Erwachsene: Männer > Frauen 4-8:1 Schenkelhernien traten bei Frauen häufiger als bei Männern auf.

Geographie keine Angaben

Synonyme: Leistenbruch

Symptome: Schwellung in der Leistenregion, Schmerz im Bereich der betroffenen Leiste, in den Hoden einstrahlend

Spontanverlauf: In der Regel Zunahme der Bruchgröße, später: Inkarzerationsgefahr

Mögliche Komplikationen:Inkarzeration

Prästationäre Maßnahmen (Hausarzt): Basis-OP-Vorbereitung


Obligate Diagnostik:

Fakultative Diagnostik:


Therapie [Chirurgie]

Beispiel: Leistenhernie

Indikation

bei Nachweis einer Leistenhernie besteht eine Operationsindikation, weil konservative Maßnahmen nicht weiterführen. Es handelt sich in der Regel um Wahleingriffe. Absolute Operationsindikationen sind inkarzerierte Hernien.

Aufklärung

Besonders wichtig, da es sich in der Regel um Wahleingriffe handelt. Folgende Punkte müssen erwähnt werden: Infektion. Netzinfektion. Wundheilungsstörung. Unschöne Narbe. Verletzung des Samenstranges (sehr selten) oder der Plexusgefässe. Wundserom (Notwendigkeit von Punktionen postoperativ). Rezidiv. Darmverletzung (sehr selten, etwas höheres Risiko bei TAPP). Hämatome. Hodenhämatom. Hodenatrophie (höher bei Rezidivleistenhernie). Chronisches Schmerzsyndrom (bis zu 10-30% !). Nervenverletzung. Absichtliche Nervenresektion zur Schmerzprophylaxe. Notwendigkeit einer Netzimplantation. Gefäßverletzung (Femoralgefässe).

 

Vorgang einer Leistenhernienoperation

Ambulante Erstvorstellung

Ambulante Wiedervorstellung

Operationstag

Wiedervorstellungsprocedere

 

Übersicht der Operationsverfahren

 

HernieStandardverfahren bei PrimärbefundStandardverfahren bei Rezidiv
Leistenhernie
direkt und
indirekt
Tailored open Approach:
Straffe Transversalisfaszie, meist jüngerer Patient: Operation nach Shouldice (Dopplung der Transversalisfaszie und Anheften des m. obliquus internus an das Leistenband mit fortlaufenden Nähten und nicht-resorbierbarem, monofilem Nahtmaterial) oder sog. "Minimal Repair" (Bruchlückenverschluss durch Flap-Bildung der Transversalisfaszie)

Schlaffe Transveralisfaszie, meist älterer Patient:
Op. nach Lichtenstein (offene Implantation eines Kunstoffnetzes über einen Leistenschnitt) in Lokalanästhesie, ambulante OP möglich


Minimal invasive Techniken
TAPP
(laparoskopische transabdominale Netzplastik) - in Vollnarkose, 1-2 Tage stationärer Aufenthalt
TEP (total extraperitoneale Netzplastik) in Vollnarkose - 1-2 Tage stationärer Aufenthalt
offene Revisionsoperation mit Netzalloplastik (Lichtenstein) oder bei sehr guten Faszienverhältnissen Minimal Repair, ggf. Neurolyse oder Neurektomie

oder

minimalinvasive transabdominelle TAPP
SkrotalhernieOp nach Lichtenstein in Lokalanästhesie oder VollnarkoseOp nach Lichtenstein in Lokalanästhesie oder Vollnarkose
SchenkelhernieInguinaler Repair nach Lotheissen/Mc VayInguinaler Repair nach Lotheissen/Mc Vay
NarbenhernieHerniotomie mit Fasziendopplung (wird nur noch selten durchgeführt)
Hernienrepair durch Netzimplantation in Sublay - Technik (1. Standard)
Hernienrepair durch laparoskopische Netzimplantation (IPOM, intraperitoneal online mesh -> 2. Standard)
IPOM
Hiatusherniekleine Hernien: keine Op-Indikation.
Bei Symptomatik oder Sekundärkomplikation: 
Laparoskopischer Hernienrepair, Hiatoplastik und Fundophrenikopexie
"Offener" Hernienrepair, hintere
Hiatoplastik, Fundophreniko-
pexie

Therapie [Konservativ]

Spritzenbehandlung, Bruchbänder etc:

Nicht empfehlenswert.


Rezidivprophylaxe: nicht erforderlich

Erreichbare Behandlungsergebnisse: Krankenhausaufenthalt: Ambulantes Operieren möglich. Rezidivraten nach Shouldice-Operation: 0.5-3 %. Mittlere Arbeitsunfähigkeit: ca. 8 Tage (bei Selbständigen; bei Angestellten erheblich länger).

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